Sonntag, 8. Juli 2012

Mein Panoramalauf

Ich bin früh aufgestanden, habe mich gerichtet und gefrühstückt. "Ich bin doch nicht nervös, es gibt ja überhaupt kein Grund" hat mein Kopf gesagt, mein Magen hat aber was anderes gesagt und mich ein paar Mal auf die Toilette geschickt am Morgen. Um sieben bin ich losgefahren und kurz nach acht war ich in St Anton. Sehr früh, da der Start erst um 10 Uhr war, aber ich habe lieber zu viel Zeit als ein Stress. Startnummer holen, kurz vor neun habe ich noch ein kleines Joghurt gegessen und eine halbe Banane, dann habe ich mich umgezogen und mit den anderen Läufern ein bisschen geredet. Ich habe sehr viele nette Menschen kennengelernt :-)


Vor dem Start ein bisschen aufwärmen und dann war es soweit:

Start: meine guten Vorsätze waren wie weggeblasen schon nach 500m als wir bei der ersten Steigung angekommen sind und ich bin mit einem viel zu hohen Puls los. Ich habe das mit den 400m Höhenunterschied auch komplett unterschätzt - ich habe das Höhenprofil zu wenig angesehen und gar nicht registriert, dass die 400m Höhenunterschied aus 800m Anstieg und 800m Abstieg bestanden haben. Daher bin ich auch im ersten Anstieg viel zu schnell los - es waren ja
"nur" 400 Hm... hmmm.


Km 3-4: Seitenstechen, ich habe sonst n i e Seitenstechen...

Km 5: Durch die Atmung konnte ich das Seitenstechen etwas im Griff bekommen und es war ganz kurz wirklich ganz angenehm zu laufen :-)

Km 7-9: ein langer Anstieg wo ich zügig gegangen bin - da ist das Seitenstechen dann endgültig weg gegangen.

Km 10: es war jetzt ganz angenehme zu laufen :-)


Km 11: Die Beine waren jetzt ganz Stumpf und es wurde langsam anstrengend, vor allem die ganzen Anstiege.

Km 12-16: waren nur noch schlimm, und die Beine taten richtig weh. Am liebsten hätte ich mich einfach nur hingesetzt, aber aufgeben gibt es nicht! Ich habe aber böse mit mir selbst geschumpfen, wie habe ich mir das überhaupt vorgestellt? So einen Lauf anzutreten ohne vorher richtig dafür zu trainieren. So blöd bin wahrscheinlich nur ich - noch nie 20 km gelaufen und dann gleich bei einem Rennen - m i t Höhenunterschied...

Km 16-17: Der lange steile Abstieg - auf den hatte ich mich richtig gefreut. Das mache ich ja jede Woche beim Training und wie eine Gazelle habe ich 3 Läufer überholt ;-) Außerdem habe ich dann die hinteren Beinmuskeln etwas ausruhen können.

Km 17: unten im flachen habe ich dann bei j e d e m Schritt die Achillessehne gespürt, und bei jedem Schritt hatte ich das Gefühl, als ob sie anfangen würden zu krampfen. Ich wusste jetzt nicht mehr ob ich es ins Ziel schaffe. Jetzt war ich eher wie ein Flusspferd auf weg.

Km 18: bin ich ins Dorf hinein und die Waden waren komischerweise wieder gut. Nur noch 2 km, nur noch 2 km, nur noch 2 km..., habe ich im Kopf wiederholt.

Km 19: habe ich total unterschätzt. Der letzte Kilometer war v i e l, v i e l kürzer als alle anderen Kilometer. Die Zuschauer haben die Läufer richtig ins Ziel getragen mit guten Zurufen und Hände klatschen, eine super Stimmung und ein Wahnsinns Gefühl und auf einmal war das Ziel nur noch 200 Meter vor mir. Ich habe es dann schon geschafft noch einmal ein wenig Gas zu geben bis ins Ziel.


Ziel: Ich bin natürlich gleich stehengeblieben, und nicht ausgelaufen. Ich habe die Medaille bekommen und war einfach froh, dass es vorbei war. Und ich musste etwas essen!!! Sie hatten ein wunderschöner Tisch mit viel Obst, Topfentaschen, Müsliriegel und Getränke als Verpflegung im Ziel. Wassermelone, Weintrauben, Nektarine, Banane habe ich gegessen und eine Flasche Isostar getrunken. Dann habe ich die Waden gedehnt, das war alles.


Duschen, noch etwas essen und dann nach Hause fahren. Haben mir die Beine weh getan... Schlimm!

Ich habe viele Fehler gemacht, angefangen damit, dass ich auf den Lauf gar nicht vorbereitet war, viel zu schnell los bin, mich total verausgabt habe und nach dem Rennen nicht ausgelaufen bin. Am Abend hatte ich dann 39°C Fieber und in der Nacht Durchfall so dass ich mehrmals aufstehen musste. Es geht mir heute besser, aber ich habe einen ordentlichen "Kater". Ich bin müde, habe Kopfweh und jetzt am Abend wieder Fieber und Durchfall.

Ich bin froh, dass ich gelaufen bin und schon ein bisschen Stolz darauf, dass ich 20 km und ca. 800 Hm in 2:14:49 geschafft habe, gleichzeitig war es sehr blöd von mir in so einem Tempo anzufangen! Ich war von Anfang an am Limit. Ich habe sehr viel Erfahrung sammeln können. Ich werde mein Training natürlich ziemlich ändern müssen, wenn ich noch einen Halbmarathon laufen möchte dieses Jahr. Ich bin ja viel zu wenige Langstrecken gelaufen für so einen langen Lauf.

Jetzt gibt es zuerst aber mindestens eine Woche Erholung!


Kommentare:

  1. Liebe Anna,
    erst einmal meinen allerherzlichsten Glückwunsch zu deinem ersten Halbmarathon - und dann noch so ein Bergknaller! Dafür ist es eine phantastische Zeit, aber ich denke du hast das selbst richtig erkannt, daß es wohl einfach zu schnell war für den ersten HM. Wenn der Körper sogar mit Fieber reagiert hat, hast du ihn wohl ein bisschen zu stark herausgefordert.
    Lass es ruhig beim nächsten Mal langsamer angehen, genieße den Lauf und die Natur um dich herum. Ja - schaue mal nach rechts und links und erfreue dich an den Blumen am Wegesrand oder lausche dem Zwitschern der Vögel. Das gibt dir soviel Freude und innere Zufriedenheit - und ist wahrscheinlich wertvoller als 5 min schneller gelaufen zu sein. Jedenfalls am Anfang. Wenn du später ein gutes Körpergefühl hast und weißt, welche Distanzen du gut bewältigen kannst, dann kannst du auch ruhig mal auf die Tube drücken.
    Nach meinem ersten HM konnte ich aber auch eine Woche lang kaum laufen ;)Immer wenn ich eine neue Grenze überschritten habe, hat dann mein Körper damit reagiert, daß ich eine Nacht nicht schlafen konnte.
    Das ist jetzt aber vorbei - vielleicht, weil ich für mich persönlich eine "obere" Grenze festgelegt habe.
    Dein Bericht gefällt mir super gut - manchmal ist es schön, wenn man Monate oder Jahre später lesen kann, wie es einem so erging... Irgendwann wirst du dann vielleicht einen HM laufen ohne daß dir was weh tut. Trotzdem - der erste ist immer der Schönste - und Schwerste.
    Ich glaube, dem Schmerz ist mittlerweile dem Stolz gewichen. Und stolz kannst du zurecht auf dich sein.
    Ich wünsche dir eine gute Erholung und viel Erfolg beim Training für den nächsten Halbmarathon.
    Viele liebe Grüße
    Petra
    PS: Ich würde gern dein Blog auf meinem verlinken - wärst du damit einverstanden?

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  2. Hallo Petra!

    Ja, ich habe mich ja fest vorgenommen das ganze langsam anzugehen, es ist aber SO schwer sich nicht von den anderen Läufern am Start mitreißen zu lassen. Daran werde ich einfach arbeiten müssen ;-)

    Der Fieber hat sich dann als eine Art Bauchgrippe herausgestellt und kam doch nicht von der Überanstrengung.
    Was mich am nächsten Tag noch SEHR gewundert hat; ich habe überhaupt kein Muskelkater gehabt, nicht einmal schwere oder müde Beine... Dafür haben sie mir nach dem Lauf umso mehr weh getan ;-)

    Vielen Dank für Deine Worte, ich werde sie mir zu Herzen nehmen - wenn man so weit oder sogar noch länger laufen will, soll es ja auch ein schönes Erlebnis sein, sonst hört man doch früher oder später auf.

    Viele liebe Grüße
    Anna

    PS. Selbstverständlich darfst du mein Blog verlinken, das würde mich freuen. Ich mache das gleiche mit deinem, wenn ich darf.

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